Für die aktuelle Reihe „Code Wars“ des ARD-Podcasts Alles Geschichte durfte ich meine historischen Recherchen als Experte mit dem Produktionsteam rund um Peter F. Müller teilen. In Folge 4 sprechen wir über die Arbeit der Operation TICOM, das Aufspüren deutscher Kryptologen und die moralischen Grauzonen einer Epoche, in der Wissen teilweise wichtiger war als Verantwortung.
Dabei standen zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt: Was geschah mit den führenden deutschen Kryptologen nach dem Ende der NS-Diktatur? Und wie wurden Spezialisten, die eben noch für die Wehrmacht arbeiteten, zu zentralen Akteuren in den Nachrichtendiensten des beginnenden Kalten Krieges?
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine streng geheime alliierte Spezialeinheit – das Target Intelligence Committee (TICOM) – mit der systematischen Suche in den befreiten Gebieten. Ihr Ziel waren das technologische Know-how, die Akten und die Krypto-Spezialisten des NS-Regimes. Im aufziehenden Systemkonflikt zwischen West und Ost wurde dieses mathematische und strategische Wissen zu einer heiß begehrten Währung. Moralische und politische Bedenken traten teilweise hinter geheimdienstlichen Pragmatismus zurück.
Die Erforschung dieser biografischen und technologischen Kontinuitäten zwischen der NS-Diktatur und den Geheimdiensten des Kalten Krieges bildet seit Jahren einen Schwerpunkt meiner freiberuflichen Arbeit. Es ist ein komplexes Feld, das zeigt, wie nahtlos der Wissenstransfer über Systemgrenzen hinweg funktionierte.
Alle Episoden sind in der ARD Audiothek abrufbar.